Herzlich Willkommen!

Dieser Blog ist Teil der Kampagne zur Erhaltung und Rettung der „Alten Spinnerei Huesker“ an der Ottensteiner Strasse 2 in Vreden, einem denkmalwürdigen Avantgardegebäude der Industriearchitektur aus dem Jahr 1926 im Bauhaus-Stil mit expressionistischen Elementen. Wir wollen den Abriss und einen Supermarkt verhindern. Wir streben an dieses Gebäude mit einer neuen Nutzung versehen, das Gebäude sanieren und eine Gestaltung, an der alle Bürger partizipieren können.

Das Informationsangebot ist privat, es dient auch als Ursprung der Idee Neue Vredener Spinnerei. Wir setzen uns dafür ein, mit diesem Gebäude Spinnerei H. & J Huesker Co die Vergangenheit zu bewahren, Räume für die Gegenwart zu öffnen und Inspirationen für die Zukunft mit allen zu teilen. Wir fördern damit die Gemeinschaft aller Vredener Bürger, denjenigen, die dort wohnen, die dort herstammen und die die Stadt immer noch im Herzen tragen.

Seien Sie eingeladen, sich für diese Ideen zu interessieren! Informieren Sie sich hier, unterstützen Sie uns nach Ihren Möglichkeiten. Jeder Unterstützter dieser Idee ist herzlich willkommen!

Instagram Kampagne #wirspinnenweiter

Um auch die jüngeren Bewohner in Vreden zu erreichen, die Jugend mit Zukunft, haben wir nun die Instagram Kampagne #wirspinnenweiter veröffentlicht. Gerade die Partizipation der Jugend ist wichtig und die ist weniger auf Facebook, als auf Instagram zu finden. Die Kampagne bringt kurz und knapp auf den Punkt, worum es geht: Für den Erhalt der Spinnerei. Für eine Perspektive für Vreden. Und gegen ein E-Center, dass riskant für Vreden ist. Danke Jil!

Instagram ist dezentral, wir pflegen allerdings einen eigenen Kanal unter https://www.instagram.com/vredenerspinnerei/

#wirspinnenweiter

Das neue Bewußtsein: WIR GESTALTEN!

Gestern konnten wir ein neues Bewußtsein schaffen für die Spinnerei Huesker. Dies im Kultur- und Bildungsausschuss und wir möchten den leidenschaftlichen Vortrag von Guido Leek dankenswert erwähnen. 

Wenn es um Denkmäler geht, die das Erbe unserer Geschichte aufzeigen, dann geht es nicht um den Nutzwert, nicht das rein ökonomische Argument darf bei einem Generationenprojekt, dass unsere Stadt über Jahrzehnte kulturell und mit Identität prägen kann, ausschlaggebend sein. Leider hat die entsprechende Fachstelle aktuell kein tragfähiges Gutachten vorgelegt, die Stelle für Industriegebäude im LWL ist fachlich nicht besetzt worden. Entsprechend fragwürdig und schwach war das vorgelegte Gutachten.

Wir müssen weiter den Wert des Gebäudes in der Öffentlichkeit verankern und die Ablenkungsmanöver über wirtschaftliche Motive, Verhinderungstaktik und schöne E-Center überstehen. Ohne das neue Bewußtsein geht es nur um Abriss, um Wegwerfkultur und die Ergebnisse einer fehlenden städtische Entwicklungsplanung.

Es wird sicher spannend werden, wie der Rat die Situation bewertet und wohin sich die Entscheidungen im Dezember bewegen könnten. Es geht um das neue Bewußtsein und das heißt ganz klar: WIR BESTIMMEN. DER BÜRGER BESTIMMT. Nicht der Investor, nicht andere Investoren, das ist nachrangig zu behandeln vor dem Gemeinwohl.

Wenn es um die Rolle von Herrn Bußmann geht, das sollte nicht die Alternative Entscheidung des Rates sein oder die Option, wenn man mit Stroetmann nicht zurecht kommt. Er spielt die Rolle des bösen Buben, um überhaupt Bewegung in die Sache zu bekommen. Bislang hat niemand ein Gegengewicht zu den Plänen des Investors aufgebaut, auch das Gutachten ist geprägt vom Konsens mit dem Investor und so erarbeitet worden. Neben Herrn Bussmann gäbe es für die Stadt noch viele Optionen: Das Grundstück ist dermaßen attraktiv, dass es immer auch andere Interessenten geben wird. Für den Rat ist es wichtiger, dass er erstmal den Rahmen steckt. Er muß städtische Entwicklungsplanung betreiben, er muß sagen, was Vreden in 2030 sein soll. Eine Landschaft voller Supermärkte und einer möglichen Ruine namens Innenstadt? Wie sähe eine verträgliche Planung denn aus? Es geht nicht, das sind leider Ablenkungsmanöver, nicht pro Stroetmann, pro Bussmann oder gar öffentliche Mittel – es geht hier darum, dass Eigentum verpflichtet.

Das heiße Thema in Vreden: Pro oder Contra? Oder ein echter Konsens mit Aufbauperspektive!

Nach Artikel 14 GG wird Eigentum geschützt, aber es ist nicht sakrosankt. Wer sein Eigentum nicht für das öffentliche Wohl einsetz (2), sondern auf Spekulation setzt, für den hat Artikel 14 in Absatz 3 ganz klare Instrumente, um für die Stadt das Grundstück aus den Händen des Investors zu reißen. Das muss nicht ein Herr Bussmann tun, vielleicht wäre er nur eine Option.

Auch aus kaufmännischer Perspektive ist es aktuell gar nicht glaubhaft zu unterstellen, dass ernsthaft von seiten Stroetmann verhandelt wird. Im Gegenteil, auch dort setzt man gerade alles auf eine Karte und hat das letzte Eckgrundstück in fremden Besitz auch noch zu einem hohen Kaufpreis erworben. Es ist aus rein taktischen-kaufmännischer Perspektiven heraus unwahrscheinlich, dass von L. Stroetmann ein positives Signal bspw. gegenüber Herrn Bussmann zu erwarten ist. Auch da verweisen wir auf Münster und das Hafencenter. Hier wurde bislang nur so getan, als ginge es um echte Bürgerbeteiligung. Mit den Konsequenzen muss Münster gerade fertig werden und auch der Investor. Die Misere wäre nicht so groß, wäre L. Stroetmann da konsensfähiger. Doch am wichtigsten ist: Die Stadt muss einen neuen Ordnungsrahmen schaffen und eine städtische Planung vorlegen, in der die Bürgerinteressen klar berücksichtigt worden sind. Dass ist die Aufgabe der Politik und der Verwaltung in der aktuellen Situation.

Die Stadt Vreden ist kein Schiedsrichter im Kampf von Elefanten. Sie ist souverän.

Partizipative Stadtentwicklung

Wie könnte ein partizipativer Entwicklungsprozess für Stadtentwicklung aussehen, an dem alle Stakeholder von vorne bis zum Schluß einvernehmlich an einem Konsens arbeiten? Vreden hat Erfahrung mit Bürgerbeteiligungen, wäre dass also nicht auch ein Weg zu Harmonisierung der Pläne am Domhof, der Vredener Spinnerei und der gesamten Versorgungssituation? Ein Prozess, an dem insbesondere die Anwohner und Nachbarn ein Wort mitreden dürfen, bevor es nachher im Verfahren der Einwendung in B-Plan Auslagen zu massiven Konflikten kommt, die nur ein Gericht lösen kann?

Paula Lentfort studiert in Münster Architektur und hat aus Ihrem Wissen und Ihren Erfahrungen an aktuellem Beispiel der Spinnerei einen Vortrag entwickelt. Ein spannendes Modell, dass in den Niederlanden und Dänemark sehr erfolgreich durch die Verwaltungen dort angewandt wird. Anbei teilen wir die Folien Ihrer Präsentation. Wir finden, eine tolle Arbeit und die Veranwortlichen in der Verwaltungs sollten sich diesen Vorschlag einmal genauer anschauen.

Partizipative Stadtentwicklung copyright und urheberrecht bei Paula Lentfort, Münster

Neue Petition: Rettet die Vredener Innenstadt!

Wir haben eine neue Petition gestartet zur Rettung der Vredener Innenstadt sowie des Nahversorgungszentrums Domhof, dass geplant ist und die Trendwende für die Vredener Innenstadt bedeutet. Die Petition finden Sie unter:

https://weact.campact.de/petitions/rettet-die-vredener-innenstadt-starkt-das-versorgungszentrum-am-domhof

Die Langfassung der Begründung können Sie hier lesen:

Teilen Sie die Petition, unterschreiben Sie und helfen Sie uns eine Stimme zu haben! Am 7.11. wird der Bauauschuss wesentliche Weichen für die Vredener Innenstadt stellen. Jeder sollte sich damit beschäftigen und seine Meinung frei äußern!

Warum ist unser Vertrauen in die Verwaltung der Stadt Vreden so erschüttert? Dafür gibt es 2 wesentliche Gründe:

1. Die Ansiedelung eines Supermarktes in einem Verkaufszelt Aldi-Nord auf dem Gelände L. Stroetmann war niemanden vorher bekannt. Im Gegenteil, als Aldi-Nord für den Neubau seiner Filiale Wüllener Strasse die Geschäfte schloss, verkündete sie in der Zeitung öffentlich all Ihren Kunden die Stadtlohner Straße als Ersatzort zu wählen. Keine 2 Wochen danach begann plötzlich der Aufbau eines Verkaufszeltes von min. 800 qm VK-Fläche genau dort, wo der E-Center geplant ist. Dies ist im Rat der Stadt Vreden nicht beraten worden. Stattdessen gibt es eigentlich nur einen logischen Schluß: Die Verwaltung hat den Plänen des Investors bereits vorab zugestimmt und ermöglicht ihm im Sinne einer vorausgreifenden B-Planung bereits die Nutzung des Geländes genau zum gewünschten Planungszweck. Damit hat die Verwaltung den Rat der Stadt Vreden vor vollendete Tatsachen stellen wollen, eine hinterlistige Strategie des Investors, der dazu die Firma Aldi-Nord gewinnen konnte.

2. Die rechtliche Ausweitung des zentralen Versorgungsbereiches wie vom Investor Stroetmann erwünscht sowie weitreichende Vorplanungsarbeiten für einen B-Plan durch den Investor statt durch den FB Planen und Bauen selbst. Die Argumente hierfür, wie vom Bürgermeister im Februar 2019 vorgetragen, halten weder verwaltungsrechtlichen noch betriebswirtschaftlichen Argumenten zweifelsfrei statt, wir sehen darin eine eindeutige Bevorzugung eines Investors gegenüber unseren Interessen. Wir profitieren nicht von einer Ansiedlung eines E-Centers. Er richtet nur potentiell großen Schaden an und bringt uns allen in Vreden eigentlich nichts, was wir nicht schon haben.

Wir haben den Eindruck, die Innenstadt wird wieder mal stiefmütterlich am Ende behandelt – dabei muss man gerade sie unterstützen! Dort ist auch viel Wohnraum, der versorgt werden will, dort wohnen viele, viele Vredener und die darf man nicht im Stich lassen durch ein Projekt wie das E-Center. Wir hoffen, Sie helfen uns die vorauseilende Planung für den Investor Stroetmann vorerst zu stoppen und wirklich ernsthaft über die Alternativen zu diskutieren .

Antrag auf vorläufigen Denkmalschutz

Wir haben heute am 1. November (Allerseelen) auch in Andenken an unsere Vorfahren den Antrag auf vorläufigen Denkmalschutz für die Spinnerei H. und J. Huesker Co. an den Bürgermeister sowie den Rat der Stadt Vreden übersendet.

Wir versuchen in unserem Antrag auch die Begründung, warum das Gebäude in seiner Form und erst recht zukünftigen Neunutzung eine unheimliche Bereicherung für das kulturelle Leben unserer Stadt Vreden sein kann. Für die Stadt Vreden entstehen keine Kosten, niemand fordert Geld aus dem Kulturhaushalt der Stadt Vreden. Im Gegenteil, ein vorläufiger Denkmalschutz ist immer nur vorläufig, d.h. es gibt überhaupt kein Risiko für die Stadt Vreden und den Rat, wenn er diesem Unterfangen folge leisten möchte. Abriss geht immer, aber er geht nur einmal und dann ist das Gebäude für immer verloren. Die Akutheit des Abrisses ist durch den Abriss der Alten Weberei im Jahr 2010 und den Plänen des Investors für einen Supermarkt an Stelle der Spinnerei gut begründet.

Wir hoffen auf Berücksichtung des Antrages von Herrn Bußmann und teilen diesen mit all unseren Unterstützern.

Mit freundlichen Grüßen

Markus Bußmann

Alte Spinnerei um 1930

Erweiterte Nachbarschaftshäuser: Bleichert Werke Leipzig und Gasmotorenfabrik Köln (Deutz AG)

Die Dimensionen mögen heute riesig bis gigantisch erscheinen. Aber in Leipzig ist kein kleines Wunder, so ein großes Wunder möglich geworden. Das gesamte ehemalige Gelände der Adolf Bleichert Werke wurden in einem absolut miserablen Zustand nach der Wende vorgefunden. Heute, viele Jahre später und nach immens komplexen Bausanierungen- und Renovierungen ist ein Juwel für Leipzig und ganz Ostdeutschland wieder auferstanden. Das riesige Projekt ist nun kurz vor Gesamtfertigstellung und zeigt, was mit Wagemut, technischem Können, handwerklicher Arbeit und wirtschaftlichem Geschick in der Projektentwicklung heutzutage möglich ist.

Bleichert Werke Lützowstrasse vor der Sanierung

Christoph Gröner, der Gründer der CG-Gruppe, die das Projekt entwickelt hat, ist mittlerweile medial sehr bekannt geworden. Sein größtes Projekt, dass nun in Entwicklung ist, ist das Gelände der ehemaligen Gasmotorenfabrik in Köln-Mühlheim (später Sitz der Deutz AG). Er nennt es „Cologneo Quartier„. Das Gelände ist noch heute in der Geschichte der Industrialisierung von extrem hohem Wert, denn es war das Gelände, wo die ersten Verbrennungsmotoren weltweit in Serie hergestellt worden sind (später Deutz AG). Der Werksleiter war niemand anders als Gottlieb Daimler, dem späteren Mitgründer der Daimler Benz AG. Auch Maybach arbeitete in Köln, die „Postkarte mit dem Stern“ (das Markenlogo von Mercedes Benz) strahlte nicht über Stuttgart, sondern war eine Ansichtskarte von Köln (linksrheinisch vom Dom) in Ansicht über Köln Mühlheim. Die Deutz AG hat dieses Gelände mittlerweile verlassen und ist in den Süden Kölns gewandert. So wurde das Gelände frei für die Entwicklung, ein aktuell laufender Prozess, der mit ordentlichem Schub gerade nach vorne getrieben wird.

Markus Bußmann hat mit WILD TABLE seit 2016 den Versuch gestartet, Teil des Kölner Entwicklungsprojektes zu werden. Die 3D Animation für das Gelände von Wild Table (s.u.) ist ebenfalls rechtsrheinisch, jedoch haben wir zunächst das Dach eines Parkhauses als Zielort für unseren Club gewählt. Die hohen Kosten für Immobilien in Köln machen es ebenso schwer wie die extreme Nachfrage einen passenden Ort zu finden. Natürlich wären wir erst recht daran interessiert, in der Nähe dieses historischen Ortes von Weltrang zu sein und dort anmieten zu dürfen. Die Fabriken sind wunderschön und ideal für unsere Ideen und Projekte, die wirtschaftliche Tragfähigkeit stellen wir gerne unter Beweis. Wild Table e.V und die Wild Table GmbH & Co KG haben die Pläne nicht aufgegeben, aber es braucht viel Zeit, langem Atem, Geduld und natürlich sind auch für die CG-Gruppe in Köln noch einige Hürden zu umschiffen, bei der sie OB Henriette Reker mit der Kölner Stadtverwaltung, viele Ingenieure und Fachplaner, Rechtsanwälte wie finanzierende Banken tatkräftig unterstützen.

WILD TABLE findet zur Zeit an verschiedenen Orten wie Kunstgalerien in Köln, Outdoor-Events oder der Living Kitchen in Köln Mühlheim einen Ort. Doch wir suchen neben den mobilen, aktuell noch sehr aufwendigen Events, feste Orte wie die Vredener Spinnerei oder eben Cologneo Quartier auf dem Geländer der ehemaligen Gasmotorenfabrik Deutz. Darauf plant Markus Bußmann weiter hin.

Video Wild Table – am Ende des Videos ist die Örtlichkeit in Köln zu sehen

Die Adolf Bleichert & Co., oft auch Adolf Bleichert & Co., Fabrik für Drahtseilbahnen, Leipzig-Gohlis genannt, war ein insbesondere im Seilbahnbau tätiges Unternehmen mit Sitz in LeipzigGohlis. Das ehemalige Betriebsgelände steht unter Denkmalschutz.

https://www.cg-gruppe.de/Standorte/Leipzig/Bleichert-Werke?sortBy=date&sortOrder=DESC

Am Ende ist immer der Stolz des Entwicklers doch das fertige Objekt. Und dafür braucht man nicht nur Mut, Verstand und langem Atem sondern eben auch eine ganze Menge Herz.

Bleichert Werke nach der Sanierung (Animation)

Video: Winterswijk Tricotage Fabrik Willink

Jedes Gebäude hat eine Geschichte. Wie die Spinnerei Vreden. In unserer Nachbarstadt hat man die Geschichte der Textilfabrik Willink nachgezeichnet in einem kurzen Video. Live kann man das Gebäude sehen an der Wilhelminastraat / Groenlosweg in Winterswjik (NL), keine 10 km entfernt von unserer Spinnerei Huesker in Vreden. Lohnt sich!

Hier erneut der Link zu YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=S1wZpoyESa0

Vredens industrielle Geschichte

Während der Recherche zum Denkmalschutz der Spinnerei Huesker staunen wir immer wieder. Die Bedeutung des Unternehmens Huesker für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Vreden kann man gar nicht übertreiben. Und die Spinnerei ist ein gewichtiger Teil davon in einem großen Gebäudekörper. Schaut man sich an, dass von den gemeldeten 307 Arbeitnehmern in Vreden im Jahre 1904 ganze 230 bei Huesker arbeiteten, dann kann man durchaus sagen: Ganz Vreden hat einmal dort gearbeitet. Und somit sind viele Kinder und Kinderskinder der Familien dort ernährt worden, die heute die über 10.000 Industriearbeitsplätze in unserer Stadt besetzen. In der Spinnerei und Weberei Huesker wurde die Industriegeschichte maßgeblich geschrieben.

Nachdem die preussische Verwaltung im 19ten Jahrhundert erstmal die Errichtung einer Eisenbahnlinie beschlossen hatte, begann die rasante wirtschaftliche Entwicklung einer ganzen Region, die bislang als rückständig und arm galt. An den Nord/Süd Streckenverlauf war Vreden durch eine etwas komplizierte Gabelung angebunden worden. Die Stadt Vreden war zwar jahrhundertlang ein wichtiger geistlicher Ort, wirtschaftlich aber unbedeutend. Im frühen Mittelalter war das Damenstift sogar reichsunmittelbar, ein Status, der Unabhängigkeit und Freiheit bedeutete im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Städte wie Münster und Köln waren damit zu vergleichen, was sich viele Vredener heute sicher kaum vorstellen können. Nach den napoleonischen Kriegen aber herrschte in Vreden bitterste Armut, das reiche Damenstift wurde 1810/1812 aufgelöst. 2 Klöster schlossen ebenfalls, damit gingen auch den wenigen Handwerkern und Kaufleuten eine große Einnahmequelle verloren. Der Stadtbrand von 1811 tat sein übrigens für den immensen Niedergang dieser Jahre. Torfstecherei, harte Landwirtschaft in den nicht sonderlich fruchtbaren Böden mit Schweinemast, Töpferein, das waren die Haupteinkommensquellen für die Bevölkerung.

Die Population wuchs erst durch die Industrialisierung, dann aber schlagartig und immens zu Beginn der Jahrhundertwende vom 19 auf das 20. Jahrhundert. Vreden besaß 1871, dem Jahr der Reichsgründung, lediglich 1921 Einwohner. Das Dorf Ammeloe hingegen verfügte 1858 über 5049 Einwohner, weitestgehend landwirtschaftliche Betriebe prägten das Bild (s. hierzu Ralf Banken, Eisenbahn und Industrialisierung in Vreden, Beiträge des Heimatvereins Nr. 36). Ammeloe hatte 1913 nur 11 gewerbliche Betriebe. In Vreden wuchs die Zahl damals rasant, nach Huesker wurde Reering, Gressard, H. Terhalle & Söhne, die Firma Niessing, die Pickerfabrik Westfalia, die Westdeutsche Textil und Hecking im Jahre 1911 gegründet. Huesker aber besass immer zwischen 43 bis 96% aller gewerblich Beschäftigen. Das sollte man auch mit der Gesamtzahl der in der Baumwollindustrie beschäftigen Arbeitnehmer sehen, im ganzen Regierungsbezirk waren 8696 Personen beschäftigt (1914), davon 575 in Vreden und wiederum davon die Hälfte in Vreden.

1925 wurde dann mit dem Bau der Spinnerei erst begonnen und Hueskers Mitarbeiterzahl wuchs erneut massiv an. Der Heimatverein weist in seiner Schrift von Ralf Banken auf das psychologische Moment der industriellen Entwicklung hin: Während die meisten Vredener Unternehmer vorsichtig bis abwartend investierend, hielten sie Vreden für zu abgelegen und zu weit entfernt vom Ruhrgebiet, um wirklich zu investieren in größerem Umfang. Insbesondere die Transportkosten wurden überschätzt, das verstanden im 19. Jahrhundert nur Reering und August Huesker anders. Sie investierten höchst erfolgreich in dem Glauben, einen hervorrangenden Standort für Ihre Produktion zu haben und glaubten an den Erfolg Ihrer Produkte in ganz Deutschland. Ihre Geschichte ist ein Beleg für diesen unternehmerischen Mut, dessen größtes Werk das 1926 errichtete, erste Stahlbetongebäude dieser Art in Westfalen ist, die „Spinnerei Huesker“ in Vreden.

Nachbarschaftshäuser Teil 2: Greven

Mit Hilfe von einigen Bildern haben wir Projekte in unseren Nachbarstädten aufgezeigt, wo ebenfalls Hinterlassenschaften der frühen Industriegeschichte unserer Region aufgearbeitet wurden und ein zweites Leben bekommen haben. Bei der Recherche wurden wir auf das Beispiel aus Greven aufmerksam, wo erneut eine baugleiche Spinnerei umgewidmet wurde. Im Falle von Greven wurden es fast komplett im Gebäude grosszügige Loftwohnungen mit spektakulärer Aussicht. Und Attraktive dazu! Schauen Sie mal selbst, die Einrichtung ist zwar Geschmackssache, aber interessante Räume sind in solchen Gebäuden in jedem Falle möglich.

Jetzt erstmal ein paar Fotos aus Greven: