Vreden braucht den Runden Tisch

Vredener Bürger haben vor den Folgen einer schlechten städtebaulichen Entwicklungsplanung hingewiesen, die sich auf falsche bzw. veraltete Konzepte stützt. Städtische Entwicklungsplanung muss anders gehen, sie muss im Kontext denken, partizipativer werden, zukunftsgerichtet sein, optimistisch sein, Risiken der Zukunft sachlich bewerten und nicht Einzelprojekte abhandeln. Diese Planung und der Ordnungsrahmen ist beim E-Center mit Mall nicht in ausreichendem Maß gegeben und somit droht eine Fehlentscheidung mit langfristigen Konsequenzen.

Der Brief der Bürger wurde im Vredener Anzeiger am 11. Dezember 2019 vor der entscheidenden Ratssitzung veröffentlicht und ist ein klares Signal. Unsere Stadt braucht ein Herz. Sie braucht ein Zentrum mit Zukunft. Sonst ist Vreden nicht mehr Vreden, sondern ein zusammenhangsloses Gebilde. Es ist auch eine Ablehnung daran, sich alleine auf wenige Konzerne und deren Konzepte in seiner Planung zu verankern. Shopping Malls sind heute nahezu überall sterbende Konzepte, sie haben im Zeitalter des Online-Shoppings (selbst im Modebereich) Ihre Anziehungskraft verloren. Ist der Handel ein Partner, der Planungsgewissheit bringt oder Unsicherheit? Handel bleibt Wandel.

Shopping-Center stehen andernorts, auch in NRW, vor dem Niedergang. Der Marktführer schreibt in den USA rote Zahlen, gigantische Leerstände kündigen sich dort an, die keiner mehr retten kann vor der Zukunft. Der Online-Handel dreht alles von links nach rechts, schneller als wir das je glauben wollten. In den USA ist das längst der Fall. Leere Shopping Malls kann man danach eigentlich nur noch abreissen, es entstehen große Lücken im Stadtbild, ein zusammenhangsloses Gebilde ohne Herz entsteht. Solche Planungen zu unterstützen, das klingt nicht mehr zukunftsgerecht.

Unsere Städte brauchen ein Herz, ein Herz namens Innenstadt, sonst werden sie beliebige Trabantenstädte. Die europäische Kultur geht sonst verloren, wenn wir die Innenstädte nicht mit neuem Leben füllen. Unser Städte waren früher ein Grund einzukaufen – aber haben wir da nicht auch gelebt?

Auszug aus dem Titelblatt des Vredener Anzeigers vom 11. Dezember 2019

Die Spinnerei ist eine Alternative, einen echten Frequenzbringer mit der Stadt (gastronomische Angebote im Café / Vinothek / etc. am Markt sowie mit dem KULT) so zu verbinden, dass es in Summe zu einer sinnvollen Frequenzsteigerung für die Gesamtstadt kommt. Die Spinnerei könnte ein Leuchtturm über die Stadtgrenzen hinaus werden, deswegen halten wir weiterhin an dieser Idee fest, die Spinnerei mit neuem Leben zu füllen.

Am Ende muss es konsensualer werden, echte Beteiligung der Betroffenen am Runden Tisch, starke Entwicklungskonzepte, über die dann die gewählten Vertreter auch abstimmen können. Diese Situation liegt in Vreden aktuell nicht vor, stattdessen haben wir aus Sicht der Betrachter mal wieder typisch westfälisch agiert: Wir haben tiefe Gräben gebuddelt, die wir nach der Entscheidung erstmal zuschütten dürfen. Da schüttelt man berechtigerweise den Kopf. Braucht es mehr Frauen in der Politik, damit wir vernünftiger werden und miteinander reden statt kämpfen? Vielleicht ist das ein guter erster Ansatz. Nächstes Jahr ist ja Wahl.

Anmerkung: Das Schreiben im Vredener Anzeiger vom 11. Dezember 2019 wurde nicht vom aufgelösten Verein Vredener Spinnerei e.V. bzw. Herrn Markus Bußmann initiiert bzw. verfasst, sondern in Eigeninitiative dieser Bürger.

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